Morgens aufstehen und vom Bett ins Büro fallen klingt sehr vorteilhaft. Auf Dauer kommt damit aber nicht jeder klar. Es fehlt die Bewegung, und auch die neuen Eindrücke. Dafür lauern überall Ablenkungen, vom Abwasch bis zum Haustier. Gerade für Kreative ist es daher wichtig, sich Alternativen zum heimischen Büro zu überlegen. Ich habe schon viel ausprobiert und teile gerne meine Erfahrungen mit dir.

Coworking Spaces

Sie schießen gerade überall aus dem Boden: Gemeinsame Arbeitsplätze in Großraumbüros. Schnapp dir einen freien Stuhl, schlag dein Notebook auf und steck dir Kopfhörer in die Ohren. Denn hier ist es oft nicht ganz so ruhig wie bei dir Zuhause.

Mein Tipp: Frag nach 1-2 Probetagen, an denen du kostenlos testen kannst, ob Coworking für dich funktioniert. Eine Mitgliedschaft ist zwar schnell wieder gekündigt, aber die Kosten für den kompletten Monat kannst du dir sparen, wenn du nach zwei Tagen schon keine Lust mehr hast, morgens ins Büro zu fahren.

Je nach Anbieter kann es auch sein, dass du deine Sachen offen liegen lassen musst, da es keine Rollcontainer oder Schränke für alle gibt (wenn überhaupt). Für mich war das ein großes Problem, denn 1. sind in Coworking Spaces oft Besucher unterwegs, die du nicht kennst und die deine Sachen einstecken können. Und 2. gibt es mit der neuen Datenschutzgrundverordnung noch ein weiteres Problem: Deine Daten sind theoretisch von jedem zugänglich, der dein Notebook während einer Pinkelpause in die Hände bekommt. Das heißt: Deine Kunden müssen über diesen Umstand informiert werden. Für mich ein No-Go, denn es bedeutet viel Arbeit und macht keinen positiven Eindruck.

Ein großer Vorteil ist natürlich, dass du in einem gut besuchten Coworking Space häufig mit neuen Leuten in Kontakt kommst. Du findest eventuell direkt neue Kunden oder zumindest Partner, mit denen du zusammenarbeiten kannst. Das passiert oft ganz nebenbei an der Kaffeemaschine. Und wenn du mal nach einem Spezialisten suchst, kannst du beim Community Manager nachfragen. Er oder sie kennt in der Regel das gesamte Haus und stellt für dich einen Kontakt her.

Ich persönliche habe mit Coworking gute wie auch schlechte Erfahrungen gemacht. Die Community fand ich super, aber das Arbeiten in einer sehr lebhaften Umgebung fand ich schwierig. Gerade wenn ich mich einmal wirklich konzentrieren oder ein wichtiges Gespräch führen musste, habe ich mir ein Einzelbüro gewünscht. Die sind in Coworking Spaces zwar auch erhältlich, aber zu exorbitanten Preisen und in der Regel nicht so schalldicht, wie ich es mir gewünscht hätte (Glas leitet sehr gut den Schall).

Eigenes Büro

Auch mit einem eigenen Büro konnte ich meine Erfahrungen sammeln. Und auch hier gibt es Unterschiede. Gerade in Hamburg ist es üblich, dass ein einzelner Raum in einer Bürogemeinschaft vermietet wird. So hatte ich zwar mein eigenes Reich, aber auch den Anschluss an eine Community. Die war kleiner als beim Coworking Space, dafür aber intensiver.

Ein eigener Raum kostet oftmals mehr als ein Platz im Großraumbüro. Wobei  die Angebote stark schwanken. Du musst wissen, ob dir Prestige wichtig ist, oder du genauso gut im unstylischen Bürokomplex aus den 60ern arbeiten kannst. Überlege dir, ob du oft Besuch empfängst und daher einen Konferenzraum brauchst. In geteilten Büros gibt es manchmal einen solchen Raum, der nach Absprache genutzt werden kann. Das ist aber nicht die Regel.

Bei den Kosten solltest du auch bedenken, dass einige Angebote über Makler ins Netz gestellt werden. Du wirst dann oft eine Provision mit einkalkulieren müssen. Zusätzlich zur Kaution (die beim Coworking Space übrigens auch anfällt) kommen für den Einzug und die Ausstattung, die du vermutlich selbst anschaffen wirst, einige Kosten für den Anfang auf dich zu.

Leider hat das Einzelbüro bei mir nicht funktioniert. Wieder war die Schallproblematik der Grund. Glas sieht zwar toll aus, ist aber für die Akustik sehr schädlich. Das war aus meiner Sicht aber eher ein Problem dieses speziellen Vermieters. Von daher gebe ich dem Einzelbüro bald eine zweite Chance und werde berichten, wie ich damit klar komme. Gerade da ich perspektivisch denke, brauche ich etwas mehr Platz, um auch Mitarbeiter unterbringen zu können.

Fazit

Überlege ernsthaft, ob du überhaupt einen Platz zum Arbeiten brauchst, der außerhalb deiner vier Wände liegt. Manchmal findest du auch gute Orte um draußen zu arbeiten: Bücherhallen, Cafés, Parks (zumindest bei gutem Wetter) und auch manchen Coworking Space, der tageweise Buchung anbietet.

Je mehr Kosten du sparen kannst, desto mehr kannst du in den Aufbau deines Unternehmens stecken. Nur weil es angeblich zum guten Ton gehört, ein Büro in bester Innenstadtlage zu haben, heißt das noch lange nicht, dass dein Ego das auch braucht. Sei selbstbewusst und tue das, was für das Business am besten ist. Und das ist so individuell, dass ich dir keine Empfehlung geben kann. Wenn du allerdings Tipps brauchst, schreib mir gerne in die Kommentare.