„Ach du Kacke, wie rede ich ihm das jetzt aus?“ Obwohl sie selbst von ihren Eltern gelernt hat, dass sie alles werden kann was sie will, fällt es Mama schwer, die Entscheidung ihres Sohnes zu akzeptieren. Er will kein Studium und auch keine Ausbildung machen, sondern Videos über Sammelkarten drehen. Nicht gerade das, was Elternherzen höher schlagen lässt, außer vielleicht wegen der Panik, die langsam in ihnen aufsteigt. Kein klassischer Berufsweg, das muss ja zum Scheitern verurteilt sein, oder?

Berufswunsch „YouTuber“

YouTuber wie Casey Neistat und Marques Brownlee sind mit über 10 Mio. Abonnenten heute vielleicht eher die Ausnahme als die Regel. Aber ihre Geschichten zeigen, dass es durchaus möglich ist, aus YouTube mehr als ein Hobby zu machen, sondern ein funktionierendes Business. Casey Neistat hat sich gegen den Rat seines Vaters dazu entschieden nach New York zu gehen und Filme zu machen. Obwohl er keine Ausbildung in dieser Richtung hatte, kaufte er eine Kamera und legte einfach los. Seine Neugier, der Spaß an der Sache und seine Ausdauer haben ihn bis heute zu einem der erfolgreichsten YouTuber aller Zeiten gemacht. Seine Videos haben tausende inspiriert, ihre Träume zu verwirklichen. YouTube wurde zu seiner Plattform, auf der er alles veröffentlichen konnte, was er wollte.

Auch Marques Brownlee hat ganz einfach angefangen. Ein Computer, ein Mikrofon und eine Software, mit der er seinen Bildschirm aufnehmen kann. Und schon waren die ersten Tutorials über die Benutzung diverser Programme im Kasten. 10 Jahre später besitzt er einen Tech-Channel mit Produktionsstudio und mehreren Angestellten. Kein klassischer Weg, aber er hat funktioniert. Wer hat also Recht? Die Eltern, oder der Erfolg des Sohnes?

Vielleicht sind diese Beispiel nicht repräsentativ genug, aber sie zeigen, dass ein junger Mensch mit einem Traum und genügend Ausdauer durchaus auf einer Plattform wie YouTube erfolgreich sein kann. Der häufigste Grund, weswegen jemand seine Online-Karriere an den Nagel hängt ist nämlich, dass der schnelle Erfolg ausbleibt. Die Erwartungshaltung, damit viel Geld zu verdienen steht eben doch zu oft im Vordergrund. Einfach ist das Business nicht. Auch Casey Neistat und Marques Brownlee hatten bestimmt schwere Zeiten, in denen sie sich entscheiden mussten, wie und ob sie weiter machen.

Das verkannte Business

Zurück zur verzweifelten Mutter, die ihrem Kind nur die beste Zukunft wünscht. Natürlich möchte sie, dass es ihrem Kind gut geht. Als Vater einer kleinen Tochter, die in dieser Zeit groß wird, kann ich das 100%ig nachvollziehen. Ich sehe aber auch, was alles möglich ist, wenn man sich entscheidet, einer Sache mit voller Hingabe und Geduld nachzugehen. Aus dem kleinen YouTuber, der in seinem Kinderzimmer Sammelkarten aus ihrer Verpackung zieht, kann ein gestandener Unternehmer werden. Ja, Unternehmer! Die Content Creator von heute sind gut vernetzt, verkaufen sich und ihre Dienstleistung wie Profis und entwickeln immer neue Produkte um ihre Marke herum. Sie lernen mit Finanzen umzugehen und unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Ab wann brauche ich Mitarbeiter? Wohin verlege ich meinen Standort? Wer kann ein guter Partner für meinen Kanal sein? Worin unterscheidet sich das von den Überlegungen, die ein Geschäftsführer der XY GmbH treffen muss?

Vergleichbar ist der Berufsweg des YouTubers etwa mit dem des damaligen Fernsehmoderators (ja, ich weiß, die gibt es heute vereinzelt auch noch). Nur dass heute noch die Entwicklung der Show, der Dreh, das Schneiden, die Vertonung und vieles mehr in das Berufsbild gehört. Und das alles macht das Smartphone in der Tasche möglich. Immer und überall. Es ist eine andere Zeit. Auch für unsere Eltern war es eine andere Zeit als für deren Eltern. Für uns ist es also an der Zeit, aufmerksam zu schauen, was die aktuellen Medien bieten, und wie sie für das zukünftige Business genutzt werden können.

Zukunftssicher gibt es nicht, aber …

Natürlich wissen wir nicht, wie lange es YouTube überhaupt noch gibt. Das ist aber auch nicht wichtig. Es werden andere Kanäle kommen. Unsere Kinder sind mit Sicherheit die ersten, die davon erfahren und diese ausprobieren. Sie wissen besser als wir, wohin die Reise geht, denn sie sehen, womit sich die Menschen in ihrem Umfeld beschäftigen. Letztendlich kann ich also nur jedem 15-jährigen, der seinen Weg gehen will, dazu herzlich gratulieren. Und ihn ermutigen, unterwegs nicht aufzugeben, aber zu beobachten, wenn sich neue Chancen ergeben und der aktuelle Weg nicht mehr funktioniert. Das ist der Weitblick, den viele von uns noch nicht besitzen und deshalb sagen: „YouTube, da gibt es doch nur Katzenvideos. Damit kann man kein Geld verdienen“. Falsch! Wenn aus einem Sammelkarten-Fan DER Channel über Spiele wird, mit eigenem Shop und eigenen Produkten, sagt sich der Sohn am Ende: „Zum Glück haben meine Eltern mich unterstützt, anstatt es mir auszureden.“