Brechen wir es mal runter auf den einfachsten Nenner: Du hast ein Unternehmen, das etwas verkauft. Du willst, dass andere davon erfahren, damit sie dein Produkt oder Dienstleistung kaufen. Welche Wege gehst du also? Und warum sollte Social Media da keine Rolle spielen? Die Liste an Ausreden ist lang, deshalb hier meine Top 5, weshalb YouTube für dein B2B-Unternehmen nicht funktioniert.

Ausrede #1 – „Meine Kunden sind nicht bei YouTube“

Ein Klassiker. „Meine Kunden verschwenden Ihre Zeit nicht damit, bei YouTube lustige Videos zu schauen. Sie müssen ein Business führen“. Dieses Denken ist längst überholt. Seit YouTube aus den Kinderschuhen heraus und das Angebot gewachsen ist, gibt es dort weit mehr als nur Katzenvideos. Ich nutze YouTube fast täglich, um mich auf verschiedenen Gebieten weiterzubilden. Von Software-Rezensionen über Business Development bis hin zu Mitarbeiterführung ist alles dabei.

Wer schaltet schon noch den Fernseher an, wenn er auf YouTube das Programm selbst bestimmen kann? Diese Freiheit wissen besonders Entscheider zu schätzen. Natürlich lassen sie sich abends nicht stumpf berieseln, sondern nutzen ihre Zeit auch da effektiv zur Weiterbildung. Die Einstiegshürde ist sowieso geringer, da für YouTube – anders als Facebook und Co. – nicht zwingend eine Registrierung nötig ist. Die Plattform ist offen und so für alle attraktiv, die nur mal schnell ein paar Infos suchen. Und vergessen wir eines nicht: YouTube gehört zu Google und ist somit auch eine Suchmaschine.

Glaubst du immer noch, dass deine Wunschkunden nicht bei YouTube vorbeischauen? Egal, ob B2B oder B2C, im Kern handelt es sich immer noch um Menschen, die du erreichen willst. Das ist das einzige, was du wissen musst.

Ausrede #2 – „Damit verdiene ich kein Geld“

Ich bin kein großer Freund davon, YouTube nur des Geldes wegen zu nutzen. Lieber sehe ich die Plattform als Chance, mich und meine Marke zu formen. Ja, am Ende wird darüber dann auch Umsatz generiert, weil die Zuschauer über die Zeit Vertrauen fassen und dich gerne weiterempfehlen. Es macht aus meiner Sicht aber einen großen Unterschied, ob du von Anfang an auf das Verkaufen deiner Produkte abzielst (und das auch deutlich zeigst), oder ob du dich darauf konzentrierst, den Nutzern einen echten Mehrwert zu schenken. Es ist schwer, sich von dem Gedanken frei zu machen, dass man etwas tut, ohne damit Geld verdienen zu wollen, es am Ende aber doch tut. Ein Hauch von Heuchlerei schwebt dann wohl doch bei jedem mit, der behauptet, etwas nur aus Nächstenliebe zu tun.

Zurück zur Ausgangs-Ausrede: Wenn du es drauf anlegst, kannst du über YouTube sehr wohl Geld verdienen. Zum Beispiel über das Schalten von Anzeigen ab einer Kanal-Größe von 1.000 Abonnenten, oder über Affiliate-Marketing. Du kannst genauso deine Events und Produkte bewerben, wobei ich empfehle, das sparsam einzusetzen. Ansonsten wird dein Kanal schnell als Werbeveranstaltung eingestuft, die niemand sehen will. Du musst für dich selbst entscheiden, ob du bei YouTube als Marketingmaßnahme eher auf den hohen ROI hoffst, oder den Aufbau deiner Marke unterstützen willst.

Ausrede #3 – „Das ist zu viel Aufwand“

Verständlich, dass du das denkst. Dein Tag ist auch so schon voll genug. Jetzt sollst du also auch noch eine Show ins Leben rufen? Wer soll das alles leisten? Sieh es mal so: Marketing ist IMMER Aufwand, egal ob du einen YouTube Kanal pflegst oder ein Event veranstaltest. Die einzige Frage ist, wo du mehr Menschen erreichst. Auf einer Messe mit 1.000 Besuchern oder im Internet, wo die Informationen auch nach Jahren noch abrufbar sind?

Ja, ein YouTube Channel kann viel Arbeit bedeuten, je nachdem, was du zeigen willst. Es gibt aber auch genauso gut Unternehmer, die sich bei Ihrer Arbeit filmen lassen oder einmal die Woche für 30 Minuten vor die Kamera treten und ein Team kümmert sich dann um den Rest: Schneiden, hochladen und Feedback beantworten. Du musst nicht alles selbst machen, wenn du auch Leute findest, die das schneller und routinierter machen als du selbst. Aus meiner Sicht ist das die cleverste Art, einen Kanal zu betreiben.

Ausrede #4 – „Das kostet zu viel und bringt zu wenig“ aka. „Wie sieht der ROI aus?“

Marketing ist niemals kostenlos. Du investierst entweder Zeit oder Geld oder beides. Dir muss klar sein, dass der Aufbau eines YouTube Kanals nicht von heute auf morgen Früchte trägt. Manchmal braucht es ein Jahr, manchmal auch drei. Das hängt immer von deiner Zielgruppe und der Art und Häufigkeit deiner Inhalte ab.

Was es kostet, einen Kanal regelmäßig zu bespielen, lässt sich nur mit einem schlüssigen Konzept genau sagen, daher mache ich an dieser Stelle keine Prognosen, nur folgende Überlegung: Du bezahlst zum Beispiel einen Angestellten, der dich täglich mit der Kamera begleitet und am Ende des Tages ein Video daraus macht. Die Kosten eines Mitarbeiters kennst du ja. Dazu kommt etwas Equipment (Kamera, Mikrofone und Computer) und schon hast du eine grobe Hausnummer, was es dich kostet. Wie gesagt, das ist nur eine Idee von vielen. Eventuell richtest du auch ein kleines Studio ein, in dem du einmal die Woche selbst vor die Kamera trittst. Die Kosten können dann ganz anders aussehen. Es kommt einfach auf dein Konzept an.

Den Nutzen wirst du dann sehen, wenn die ersten Interaktionen mit deinem Content kommen. Leute kommentieren, teilen und kontaktieren dich direkt. Sie hinterlassen Feedback, das du zur Weiterentwicklung deines Produkts nutzen kannst. Oder sie kaufen direkt in deinem Shop. Mit der Zeit wird dein Kanal bekannter und die Anfragen bzw. Verkäufe mehr. Dass es funktioniert, zeigen viele Beispiele bekannter Unternehmer wie Gary Vaynerchuck oder Grant Cardone. Doch auch weniger namhafte YouTuber verbuchen respektable Ergebnisse.

Ausrede #5 – „Ich weiß nicht, worüber ich reden soll“

Die Ausrichtung deines Kanals und der daraus resultierende Inhalt jedes einzelnen Videos ist etwas, das du dir vorher gut überlegen solltest. Ich schaue mir viele Kanäle von Unternehmen an, die die Plattform eher als externen Hosting-Service ihrer Image-Filme ansehen. Ernsthafte Aufrufe sind dort nicht zu finden.

Nur ein Beispiel: Vor einiger Zeit habe ich ein Video zum Thema „Kalligrafie für Einsteiger“ gemacht. Dieses Video hat Stand heute über 10.000 Aufrufe. Dann schaue ich mir den Kanal großer Versicherungen an, deren Videos im Schnitt 200 Aufrufe haben (was weniger als deren Anzahl an Mitarbeitern ist). Wo liegt der Unterschied? Mein Video wird gesucht, weil es ein Thema ist, das viele interessiert. Wieviele Leute suchen aber aktiv nach einem Interview mit dem Geschäftsführer von Versicherung XY? Anders sähe es vermutlich mit „Welche Versicherung brauche ich als Student?“ aus. Ein solches Video würde wertvolle Informationen liefern, die tatsächlich gesucht werden.

Das wichtigste, was du dir überlegen musst ist: Was kann ich ANDEREN an Mehrwert liefern? Schaust du nur, was DU sagen willst, dann ist die Chance gering, dass es andere wirklich interessiert. „Content is King“. Der Zuschauer will unterhalten oder informiert werden. Im besten Falle beides gleichzeitig. Er dankt es dir durch sein wiederkehrendes Interesse und die Empfehlung an andere. Genau das willst du. Denn eine Empfehlung ist die beste Werbung, die du bekommen kannst.